Odoo 20 ist da
KI-Agenten, eigene Telefonanlage, neue Zeiterfassung und der Light User. Wir haben die Keynote im Code nachgeprüft.
Odoo hat auf der Odoo Experience Ende September 2026 die Version 20 vorgestellt. Wir haben die Keynote verfolgt und die Neuerungen danach im Quellcode nachgeprüft. Nicht alles, was auf der Bühne neu wirkte, ist es auch: Manches gibt es schon seit Odoo 19, anderes läuft als Dienst auf den Servern von Odoo. In diesem Überblick findest du die Neuerungen, die im Code tatsächlich stecken. Was nur als Dienst angekündigt wurde, kennzeichnen wir mit „laut Odoo“.
Die Keynote zum Nachsehen
Opening Keynote „Unveiling Odoo 20“ der Odoo Experience 2026, Quelle: Odoo auf YouTube.
Künstliche Intelligenz: vom Chat zum Agenten
Die größte Baustelle von Odoo 20 ist die KI. Aus dem KI-Chat von Odoo 19 wird eine Plattform für Agenten. Ein Agent bekommt Anweisungen, Wissen (zum Beispiel Dokumente oder Knowledge-Artikel) und sogenannte Skills. Er kann zeitgesteuert oder bei einer Feldänderung von selbst loslegen. Bevor ein Agent Daten verändert, fragt er standardmäßig nach. Die KI-Sitzungen landen gesammelt in Discuss.
MCP-Server
Jede Odoo-20-Datenbank mit Enterprise kann als MCP-Server dienen. Externe KI-Werkzeuge verbinden sich per API-Schlüssel oder OAuth, es gelten die Zugriffsrechte des jeweiligen Benutzers.
Agenten mit Skills
Anweisungen, Wissen und Auslöser (Zeitplan, Feldänderung) machen aus der KI einen Assistenten, der im Hintergrund arbeitet.
KI in den Apps
KI-Anbindungen für Buchhaltungsberichte (etwa Prüfungen zum Monatsabschluss), Helpdesk, Verkauf, Einkauf, Lager, Marketing und Website.
Bilder erzeugen
Im Medien-Dialog und bei Produktbildern lassen sich Bilder per KI generieren. Das läuft über den KI-Dienst von Odoo.
Website und Webshop
Der Website-Baukasten bekommt einen KI-Assistenten. Er baut aus einer Beschreibung eine ganze Seite, stellt dabei Rückfragen zum Stil und zeigt dir seine Arbeitsschritte. Er erzeugt auch eigene Bausteine, sogar mit JavaScript. Dafür fragt er ausdrücklich um Erlaubnis. Der Einrichtungsassistent für neue Websites fragt jetzt nach der Positionierung deiner Marke und schlägt eine passende Farbpalette vor.
Im Webshop gibt es mehr Neuerungen, als die Keynote gezeigt hat:
- Die Shopsuche findet jetzt auch Attributwerte wie Farbe oder Material und öffnet direkt die passende Variante.
- Bilder lassen sich je Variante verwalten.
- Bei Click & Collect wählen Kundinnen und Kunden ein Abholdatum.
- Merkliste und Produktvergleich gehören jetzt zum Standard, dazu kommen ein Spenden-Baustein und Bewertungsmails nach dem Kauf.
- Widerrufsformular: Kundinnen und Kunden können einen Widerruf mit E-Mail-Adresse und Bestellnummer direkt über den Shop einreichen. Das Formular zielt auf die neue EU-Vorgabe zum Widerrufsbutton, die auch österreichische Onlinehändler betrifft.
Verkauf und CRM
Beim Angebot hat Odoo viel an der täglichen Arbeit gefeilt:
Brutto/Netto-Umschalter
Jeder Beleg lässt sich zwischen Brutto- und Nettopreisen umschalten, im Verkauf genauso wie im Einkauf und auf der Rechnung.
Abschnittsvorlagen
Abschnitte als Vorlage speichern und in anderen Angeboten wiederverwenden. Eine Menge auf dem Abschnitt passt alle Zeilen darunter an.
Marge vorgeben
Du gibst die gewünschte Marge ein, und Odoo rechnet den Verkaufspreis aus.
Freitextzeilen
Angebotszeilen gehen auch ohne Produkt, als reiner Beschreibungstext. Wer das nicht will, schaltet es in den Einstellungen ab.
Dazu kommen Kennzahlen und Schnellfilter oben in der Angebotsliste (etwa „zu bestätigen“ oder „zu fakturieren“), Produktbilder im Angebot und Anzahlungen als fester Betrag. Im CRM wechselst du Verkaufsteams direkt im Kopf der Pipeline. Die Lead-Generierung (Firmendatenbank, Website-Besucher, Visitenkarten-Scan) ist jetzt in einem Menü gebündelt. Die Funktionen selbst gab es schon, sie laufen laut Odoo als kostenpflichtiger Dienst.
Telefonie: Odoo wird zur Telefonanlage
Die Telefonie-App wird vom Softphone zur Telefonanlage. Rufnummern lassen sich direkt in Odoo bestellen, wobei die Bereitstellung laut Odoo über einen Partnerdienst läuft und die Anforderungen je Land geprüft werden. Mit einem grafischen Editor baust du Anrufabläufe: Sprachmenüs mit generierter oder eigener Ansage, Öffnungszeiten, Anrufgruppen, Warteschlangen, Voicemail und Wartemusik. Das Anruffenster lässt sich als Bild-in-Bild neben anderen Programmen offen halten. Gespräche kannst du auch nachträglich einem Kontakt, Lead oder Ticket zuordnen.
Projekt und Zeiterfassung
Die Zeiterfassung ist neu gedacht. Ein Timer in der Menüleiste ist von überall erreichbar und merkt sich Projekt und Aufgabe. Neu ist auch ein Zeiterfassungs-Assistent: Er schlägt Einträge aus Kalender, Gmail und optional aus einem lokalen Aktivitätsprotokoll auf deinem Rechner vor. Du übernimmst die Vorschläge, führst sie zusammen oder verwirfst sie. Im Projekt gibt es eine eigene Margenübersicht mit Soll- und Ist-Kosten. Über die neue Ansicht „Services & Materials“ erfasst du Pauschalen und Material, die automatisch im Auftrag landen.
Achtung, Field Service: Die App ist jetzt Teil von Planning. Ein Einsatz ist damit eine Planungsschicht mit Adresse, Fahrzeit und Live-Standort, die sich automatisch nach Standort einplanen lässt. Eine Schicht kann auch mehrere Personen haben. Wer Field Service nutzt, sollte die Abläufe vor dem Upgrade genau durchgehen.
Buchhaltung
Das Buchhaltungs-Dashboard ist neu aufgebaut, mit anklickbaren Kennzahlen. Beim Erfassen von Eingangsrechnungen lernt Odoo mehr: Neben Konto und Steuer schlägt es jetzt auch die Kostenstellenverteilung (Analytik) und das Fahrzeug vor. Belege haben einen Prüfstatus, auffällige Rechnungen werden als Anomalie markiert.
- Anlagen: Eine Anlage kann mehrere Bewertungen gleichzeitig führen, etwa nach Unternehmens- und nach Steuerrecht. Das Abschreibungsmodell lässt sich direkt auf der Rechnungszeile wählen. Anlagen im Bau aktivierst du später.
- Abgrenzungen: Abgrenzungskonten lassen sich je Erlös- oder Aufwandskonto festlegen. Abgrenzungen für Aufträge gibt es in vier Varianten.
- Berichte: Neu sind ein Intercompany-Vergleich, eine Zeile für Währungsumrechnungsdifferenzen in der Bilanz, Snapshots zum Jahresende und ein Kontenplan mit echter Hierarchie.
- Zahlungen: Wer Zahlungen direkt aus Odoo bei der Bank auslöst, bekommt den Status jetzt automatisch zurück. Beim Ändern von Bankdaten warnt Odoo vor Phishing.
E-Rechnung und Peppol
Peppol bleibt der zentrale Weg für elektronische Rechnungen. Odoo 20 verbessert die Produkterkennung beim Import, und alle E-Rechnungsformate lassen sich gesammelt als ZIP exportieren.
Wichtig beim Umstieg: Die Zahlungsstatus sind neu benannt. „Bezahlt“ bedeutet in Odoo 20 etwas anderes als in Odoo 19. Gespeicherte Filter und Auswertungen solltest du deshalb nach dem Upgrade prüfen.
Was Österreich betrifft
Ein neues österreichisches Modul gibt es nicht. Die Änderungen stecken im Detail:
- Neu ist ein eigenes Konto für Forderungen gegenüber dem Finanzamt.
- Die Fristen für UVA und Zusammenfassende Meldung sind korrigiert.
- Die Firmenbuchnummer steht in einem neuen Feld für weitere Kennungen. Das betrifft Berichte und Exporte.
- Bei der Registrierkasse (RKSV) liegen die Zugangsdaten jetzt in den Kasseneinstellungen, und der DEP-Export kommt als JSON.
Einkauf, Lager und Fertigung
Nachschub-Assistent
Schlägt Mindest- und Höchstbestände aus der Nachfrage der letzten Tage vor, mit Aufschlag und Reichweite in Tagen.
Einkauf
Bestellungen haben jetzt den Brutto/Netto-Umschalter und Summen je Abschnitt.
Lager
Rücksendungen sind Lieferungen mit Rückgabegrund und Frist, Ausschuss ist eine normale Lagerbewegung. Sammel- und Wellenkommissionierung gehören zum Standard. Einfacher Bestand geht sogar ohne Lager-App.
Fertigung
Stücklisten vergleichen, Arbeitsaufträge per Priorität im Kanban planen und in der Werkstattansicht per Barcode am Arbeitsplatz anmelden.
Personal
- Zeitregeln: Eine neue Regel-Engine berechnet Überstunden und Zuschläge.
- Anwesenheiten: Sie lassen sich freigeben und kennen Pausen und ein Check-in-Foto.
- Weitere Neuerungen: Feiertage lassen sich importieren, und ein Austritt kann im Voraus geplant werden. Die Homeoffice-Planung gehört jetzt zur Mitarbeiter-App. Für Spesen gibt es Limits je Stelle.
- Payroll: Hier wurden vor allem die Einrichtung und der Lohnlauf vereinfacht.
Kasse und Gastronomie
Für Restaurants gibt es einen neuen Tischplan-Editor mit Formen, Farben und Dekoelementen. Nach einzelnen Artikeln schlägt die Kasse passende Menüs vor. Artikel, die gerade aus sind, lassen sich vorübergehend pausieren. Die Selbstbestellung per QR-Code hat ein neues Layout, Trinkgeld und dynamische QR-Codes für das Bezahlen nach dem Essen. Die Kasse funktioniert auch ohne die Lager-App.
Oberfläche
Odoo 20 hat ein neues Design mit hellerem Grundton, runderen Formen und neuen Symbolen. Discuss ist neu gegliedert, mit Umfragen in Kanälen und geplanten Besprechungen. Neu ist außerdem ein Offline-Modus mit Bearbeitung: Fällt die Verbindung aus, arbeitest du in vielen Ansichten weiter, und die Änderungen werden beim Wiederverbinden übertragen.
Keynote gegen Code: unser Faktencheck
Nicht jede Ankündigung ist so neu, wie sie auf der Bühne klang. Eine Auswahl:
| Ankündigung | Unser Befund |
|---|---|
| MCP-Server, Telefonanlage, Light User | Neu in Odoo 20 |
| Brutto/Netto-Umschalter, Abschnittsvorlagen | Neu in Odoo 20 |
| Zeiterfassungs-Assistent, Offline-Bearbeitung | Neu in Odoo 20 |
| Lead-Generierung, Zahlungen über die Bank auslösen | Gab es schon in Odoo 19 |
| Spreadsheet-Dashboards, Gehaltskonfigurator | Gab es schon in Odoo 19 |
| Rufnummern kaufen, KI-Bilder, Lead-Datenbank | Läuft als Dienst von Odoo |
| Abgrenzung automatisch aus Peppol-Rechnungen | Im Code für Peppol ausdrücklich abgeschaltet |
Neue Preise
Laut Keynote bleiben „One App Free“ und der Standard-Tarif im Preis unverändert. Der Custom-Tarif steigt um rund 20 Prozent. Neu ist der Light User für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nur einzelne Bereiche brauchen.
| Tarif | Preis laut Keynote | Änderung |
|---|---|---|
| One App Free | 0 € | unverändert |
| Standard | wie bisher | unverändert |
| Custom | bisher 29,90 € je Benutzer und Monat | rund +20 % |
| Light User | 7,90 € je Benutzer und Monat | neu, nur ab Odoo 20 |
Der Light User deckt Personal-Selbstservice, Kasse, Lager und Barcode, Werkstatt, Planung und Field Service sowie das Mitarbeiterverzeichnis ab. Die Preise unterscheiden sich je Land. Wie viel du mit Light Usern sparst, hängt davon ab, wer in deinem Unternehmen was braucht. Das sollte man vor dem Upgrade durchgehen.
Was das für ein Upgrade bedeutet
Odoo 20 ist ein großer Versionssprung. Unter der Oberfläche hat Odoo unter anderem das Rechtemodell, das Web-Framework, die Bankkonten-Stammdaten und die Lagerbewertung umgebaut. Für den Standard liefert Odoo die Datenmigration mit. Eigene Module und Anpassungen aus Studio müssen dagegen fast immer überarbeitet werden, ebenso Berichte, Schnittstellen und gespeicherte Filter. Auch eigene PDF-Berichte und Website-Seiten mit Symbolen sollte man prüfen, weil die alte Symbolschrift entfernt wurde.
Unsere Empfehlung: Plane das Upgrade in Ruhe. Das heißt: erst eine Testdatenbank, dann einen Abgleich der eigenen Prozesse mit den neuen Abläufen, dann die Anpassung der Erweiterungen. Umgestellt wird erst, wenn alles geprüft ist. Für viele Unternehmen lohnt es sich, nach dem Erscheinen ein paar Monate abzuwarten, bis die ersten Korrekturen eingeflossen sind. Wer eine der neuen Funktionen dringend braucht, etwa die Telefonanlage, den Light User oder den MCP-Server, fängt dagegen früher an.
Häufige Fragen
Wann sollte ich auf Odoo 20 upgraden?
Für die meisten Unternehmen lohnt es sich, nach dem Erscheinen ein paar Monate abzuwarten und das Upgrade zuerst in einer Testdatenbank durchzuspielen. Wer eine der neuen Funktionen dringend braucht, fängt früher an.
Was kostet ein Light User?
Laut Odoo-Keynote 7,90 Euro je Benutzer und Monat. Die Preise unterscheiden sich je Land, und den Light User gibt es nur ab Odoo 20.
Laufen meine Anpassungen nach dem Upgrade weiter?
Den Standard migriert Odoo selbst. Eigene Module, Studio-Anpassungen, Berichte, Schnittstellen und gespeicherte Filter müssen fast immer überarbeitet werden, weil sich unter anderem das Rechtemodell und das Web-Framework geändert haben.
Gibt es Neuerungen für Österreich?
Ein neues österreichisches Modul gibt es nicht, aber Änderungen im Detail: ein eigenes Konto für Forderungen gegenüber dem Finanzamt, korrigierte Fristen für UVA und Zusammenfassende Meldung, ein neues Feld für die Firmenbuchnummer und neue Einstellungen für die Registrierkasse.
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